Während Heimspeicher für einzelne Haushalte konzipiert sind, gewinnen Grossspeicher und Quartierspeicher zunehmend an Bedeutung. Diese Systeme mit Kapazitäten von 100 kWh bis mehreren MWh können ganze Quartiere, Gemeinden oder Industriegebiete mit Speicherkapazität versorgen. In der Schweiz entstehen aktuell zahlreiche Projekte.
Was sind Quartierspeicher?
Ein Quartierspeicher ist ein zentraler Batteriespeicher, der mehrere Gebäude oder ein ganzes Quartier bedient. Statt dass jedes Haus seinen eigenen Speicher hat, teilen sich die Bewohner einen grossen, gemeinsamen Speicher. Dies bringt mehrere Vorteile:
- Skaleneffekte: Grossspeicher kosten pro kWh 20-40% weniger als Heimspeicher
- Bessere Auslastung: Verschiedene Verbrauchsprofile gleichen sich aus
- Professionelle Wartung: Ein System statt vieler einzelner
- Netzstabilisierung: Grossspeicher können Netzdienstleistungen erbringen
Schweizer Projekte und Beispiele
In der Schweiz gibt es bereits mehrere bemerkenswerte Grossprojekte:
1. Quartierspeicher Zürich-Altstetten
EWZ hat einen 500 kWh Quartierspeicher für eine Neubausiedlung mit 120 Wohnungen installiert. Der Speicher ist mit einer 200 kWp Solaranlage auf den Dächern verbunden und ermöglicht einen Eigenverbrauchsanteil von über 60% für das gesamte Quartier.
2. Grossspeicher Ingenbohl (SZ)
Ein 18 MWh Container-Speicher von Axpo, der primär für Netzdienstleistungen (Frequenzregelung) eingesetzt wird. Das Projekt zeigt, wie Grossspeicher zur Netzstabilität beitragen können.
3. Quartierbatterie Bern-Breitenrain
Energie Wasser Bern (ewb) betreibt einen 300 kWh Quartierspeicher für eine Siedlung mit 80 Wohneinheiten. Die Bewohner profitieren von günstigerem Solarstrom und höherem Eigenverbrauch, ohne selbst einen Speicher kaufen zu müssen.
Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV)
Die Schweiz bietet mit dem ZEV-Modell eine attraktive rechtliche Grundlage für Quartierspeicher. In einem ZEV schliessen sich mehrere Parteien zusammen, um Solarstrom gemeinsam zu produzieren, zu speichern und zu verbrauchen. Der ZEV tritt gegenüber dem Netzbetreiber als ein Verbraucher auf.
Seit der Revision des Energiegesetzes 2018 sind ZEV auch über öffentliche Strassen hinweg möglich, was Quartierspeicher-Projekte deutlich erleichtert.
Technologien für Grossspeicher
| Technologie | Typische Grösse | Kosten/kWh | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Lithium-Ionen (LFP) | 100 kWh - 100 MWh | CHF 350-600 | Quartiere, Netz |
| Redox-Flow (Vanadium) | 500 kWh - 10 MWh | CHF 400-700 | Industrie, Netz |
| Natrium-Ionen | 100 kWh - 50 MWh | CHF 250-450* | Quartiere, Netz |
| Pumpspeicher | >1 GWh | CHF 50-150 | Netz (schweizweit) |
Wirtschaftlichkeit von Quartierspeichern
Quartierspeicher sind wirtschaftlich oft attraktiver als einzelne Heimspeicher:
- Kosten pro kWh: CHF 350-600 (vs. CHF 600-1'200 für Heimspeicher)
- Bessere Auslastung: 300-400 Zyklen/Jahr (vs. 250-350 bei Heimspeichern)
- Zusätzliche Einnahmen: Netzdienstleistungen (Frequenzregelung, Spitzenlastglättung)
- Amortisation: 7-12 Jahre (vs. 10-14 Jahre bei Heimspeichern)
Zukunft der Energiespeicherung in der Schweiz
Die Schweiz hat mit ihren Pumpspeicherkraftwerken bereits die grösste Speicherkapazität Europas. Batteriespeicher ergänzen diese langfristigen Speicher mit schneller Reaktionsfähigkeit für kurzfristige Schwankungen.
Bis 2035 prognostiziert der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) einen Bedarf von 10-15 GWh Batteriespeicher in der Schweiz – eine Verzehnfachung des aktuellen Bestands. Quartierspeicher und Grossspeicher werden einen wesentlichen Teil davon ausmachen.
Fazit
Grossspeicher und Quartierspeicher sind die Zukunft der dezentralen Energiespeicherung. Sie bieten wirtschaftliche und technische Vorteile gegenüber einzelnen Heimspeichern. Für Hauseigentümer lohnt es sich, die Möglichkeit eines ZEV mit Quartierspeicher zu prüfen – besonders bei Neubauprojekten und Sanierungen.
Zukunftsaussicht
Quartierspeicher werden in den nächsten Jahren stark zunehmen. Das ZEV-Modell bietet in der Schweiz ideale Rahmenbedingungen. Prüfen Sie für Ihr Quartier, ob ein gemeinsamer Speicher sinnvoll ist.
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Auch ohne eigenes Dach können Sie von Solarstrom profitieren. Das Modell der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) ermöglicht es Mietern und Stockwerkeigentümern, gemeinsam eine Solaranlage zu betreiben und den Strom untereinander aufzuteilen. Der Vermieter oder die Stockwerkeigentümergemeinschaft installiert die Anlage, und die Kosten werden fair auf alle Parteien verteilt. Seit der Revision des Energiegesetzes sind die rechtlichen Rahmenbedingungen klar geregelt. Der Solarstrom wird direkt an die Bewohner verkauft – günstiger als der normale Netzstrom. Alternativ gibt es Stecker-Solaranlagen für den Balkon: Mit 300–800 Watt Leistung produzieren sie genug Strom für Kühlschrank und Grundlast – ganz ohne Dachmontage.
Planung und Installation
Der Weg zur eigenen Solaranlage beginnt mit einer professionellen Dachanalyse. Dabei werden Ausrichtung, Neigung, Verschattung und Statik geprüft. Süd-, Südost- und Südwestdächer mit 15–35° Neigung sind ideal. Aber auch Ost-West-Anlagen sind wirtschaftlich sinnvoll und liefern eine gleichmässigere Stromproduktion über den Tag. Die Montage dauert typischerweise 2–3 Tage für ein Einfamilienhaus. Der Installateur kümmert sich um die Baubewilligung, den Netzanschluss und die Anmeldung bei Pronovo für die Einmalvergütung. Nach der Inbetriebnahme können Sie Ihre Stromproduktion per App überwachen und Ihren Eigenverbrauch optimieren. Ein jährlicher Check durch den Fachmann sichert die langfristige Leistung.
Schweizer Pilotprojekte: Quartierspeicher in Aktion
Die Schweiz ist Vorreiterin bei der Erprobung von Quartierspeichern und gemeinschaftlichen Energielösungen. Das Projekt «Quartierstrom» in Walenstadt (SG) hat gezeigt, wie Nachbarschaften mit einem gemeinsamen Grossspeicher ihren Eigenverbrauch auf über 85 % steigern können. Die Energiestrategie 2050 des Bundes fördert solche Projekte gezielt über das Programm EnergieSchweiz. Im Kanton Basel-Landschaft wurde 2024 ein Quartierspeicher mit 500 kWh Kapazität in Betrieb genommen, der 42 Haushalte versorgt. Die Kosten teilen sich die Teilnehmer über ein ZEV-Modell (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch), was die individuelle Investition auf rund CHF 4’000–6’000 pro Haushalt senkt. Pronovo unterstützt ZEV-Gemeinschaften mit der Einmalvergütung, und mehrere Kantone bieten zusätzliche Beiträge für gemeinschaftliche Speicherprojekte. Die Swissgrid-Netzstabilitätsanforderungen stellen sicher, dass Grossspeicher auch zur Regelenergie beitragen und damit zusätzliche Einnahmen generieren können.